Mit dem Siegel der DGSF zum zweiten Mal ausgezeichnet

Zum zweiten Mal hat die Jugendhilfe Creglingen das Zertifikat des Fachverbands „Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie“ (DGSF) erhalten.

Die ganzheitliche Betrachtung von Menschen und ihrem Umfeld ist Grundlage des systemischen Ansatzes. In der Kinder- und Jugendhilfe wird dabei nicht allein geschaut, welche Probleme es gibt, sondern ein Perspektivwechsel vorgenommen.

Was kann jemand, wo liegen die Stärken und wie können diese eingesetzt werden, um Lösungen oder Linderungen zu erzielen, lauten die Fragen. Dieses Umschwenken im Denken, das vor rund 20 Jahren seinen Anfang bei der Jugendhilfe Creglingen genommen hat, führte zu vielen Veränderungen.

„Wichtig ist, dass der systemische Ansatz auch gelebt wird. Er zeigt sich an der Art und Weise, wie wir Kinder und Jugendliche beteiligen, im Umgang mit Hierarchien und in der Verantwortung jedes Einzelnen für die gesamte Einrichtung“, so Werner Fritz, Geschäftsführer der Jugendhilfe Creglingen.

Tägliche Arbeit vereinfacht

Das sieht auch Hiltrud Ricken, Sachgebietsleiterin des Jugendamts in Bad Mergentheim so: „Es hat eine Veränderung durch das systemische Arbeiten gegeben, die das Arbeiten im täglichen Umgang einfacher macht.“ Einen Beitrag dazu leisten auch gemeinsame Weiterbildungen von Mitarbeitern der Jugendhilfe Creglingen und vom Jugendamt.

Nach 2015, dem ersten Jahr, in dem die Jugendhilfeeinrichtung im oberen Bezirk die Zertifizierung des DGSF für fünf Jahre erhalten hatte, folgt jetzt die zweite. Das Verfahren und die Voraussetzungen sind durchaus anspruchsvoll. „50 Prozent der Mitarbeiter müssen über eine systemische Basisausbildung verfügen, 50 Prozent der leitenden Kräfte über eine intensive Beraterausbildung“, erläutert Werner Fritz. Darüber hinaus seien ein Selbstbericht und ein Bericht der Besuchergruppe mit Resümee Pflicht.

Ungefilterte Gespräche

Es sind Verantwortliche anderer Einrichtungen, die das eigene Haus und die dort erbrachte Arbeit einschätzen und bewerten. Bei der Jugendhilfe Creglingen wurden die beiden Standorte Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim besucht, Gespräche mit Mitarbeitern ohne Geschäftsführung und mit Kindern, Jugendlichen und Eltern ohne Leitung und Betreuer geführt.

Die Fähigkeit, eine so hohe Transparenz zuzulassen und sich der kritischen Meinung Außenstehender zu stellen, ist die eigentliche Hürde bei der Erlangung des Siegels. „So eine Situation ist unkalkulierbar, denn die Außenwirkung kann man nicht steuern“, sagt Werner Fritz.

Ralf Klein-Jung, Vorstand der Marienpflege Ellwangen, meint: „Einen Einrichtungsbesuch zuzulassen, muss man erst einmal wagen.“ Der große Unterschied zu einem Qualitätsaudit sei die dialogische Struktur des Austauschs.

Es gelte, den Knoten im Kopf zu lösen und sich zu öffnen, denn wechselseitige Einrichtungsbesuche seien das Kernkonzept von systemischen Einrichtungen, die Entwicklungen erst ermöglichten. Für Ariane Hornung, Geschäftsführerin des Kindersolbads in Bad Friedrichshall, sieht beim Vor-Ort-Termin „die Chance, sich mit anderen Einrichtungen selbst zu reflektieren“. Bei der Jugendhilfe Creglingen sei sie vom Betriebsklima angetan gewesen.

Selbstwertstärkung

Gerade im Gespräch mit weiblichen Jugendlichen, die ein dickes Paket an Problemen zu bewältigen haben, sei deutlich geworden, wie viel Selbstwertstärkung sie erfahren hätten und welch hohes Maß an Selbstverantwortung sie besäßen. „Das war beeindruckend“, so Hornung. Gabriele Bachem-Böse hat bei der Jugendhilfe Creglingen den systemischen Ansatz befördert. Sie ist überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, denn die Arbeit sei dadurch fachlicher geworden, Klima und Sichtweisen hätten sich verändert. Ihr Nachfolger, Jörg Mühleck, sieht gerade in der hohen Transparenz einen Riesengewinn. „Unser Bericht und der Bericht der Besucher sind auf der DGSF-Seite einsehbar“, sagt er.

Ralf Klein-Jung musste nach eigenen Aussagen erst einmal lernen, dass Kooperation und Konkurrenz gleichsam lebbar sind. „Das war ein Türöffner für neues Denken“, so seine Auffassung heute. So habe er in Creglingen ein paar Sachen gesehen, die er in Ellwangen auch gern hätte und von denen er profitiert.

Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie

"Die „Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie“ (DGSF) ist ein Fachverband, den es seit 2000 gibt. Er verfügt über 8000 Mitglieder, was eine Verdoppelung der Anzahl in den vergangenen fünf Jahren bedeutet, so Michaela Herchenhan, Systemische Therapeutin, Supervisorin und Lehrtherapeutin sowie Familienpolitische Sprecherin der DGSF“.

Die DGSF baut auf drei Säulen: 1. Jugendhilfe, Lebenswelt, soziale Arbeit; 2. Gesundheitswesen; 3. berufliche Förderung. 2009 entwickelte Herchenhan zusammen mit dem stellvertretenden Jugendamtsleiter im niedersächsischen Schwerte ein Siegel für systemisch arbeitende Einrichtungen, das 2013 erstmals verliehen wurde.

Mittlerweile gibt es deutschlandweit 28 zertifizierte Einrichtungen, davon 22 in der Kinder- und Jugendhilfe, sechs im Gesundheitswesen.2018 wurde ein Evaluationsprojekt abgeschlossen, das den Einrichtungen zur Verfügung gestellt wird. „Wir wollen den systemischen Ansatz der der empfohlenen Einrichtungen durch die DGSF wertschätzend begleiten“, so Herchenhan, „und zur Qualitätssicherung beitragen.“

 

 © Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 16.12.2020

Bericht von Heike von Brandenstein

 

 

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